
Käsekuchen ist von meiner persönlichen Traum-Geburtstagstafel nicht niemals nie mehr wegzudenken. Neben Donauwellen war die Käse-Sahnetorte vom hessischen Dorfbäcker schon als Mini-Jeanny meine Leibspeise. Ich durfte sogar einmal dabei zusehen, wie die Creme für die Tortenfüllung hergestellt wurde. In einer Rührschüssel samt Rührbesen, die mir damals als laufender Meter so unvorstellbar groß vorkamen wie Riesen und ich mußte auf einem Tritt stehen, um in den Bottich hineinsehen zu können. Während Hauptingredient damals sicher Sahne und Sahne und noch mal Sahne und Gelatine und Zucker waren, buk meine Mutter einen fantastischen Käsekuchen auf Quarkbasis mit Eiweißbaiser obenauf, auf dem sich während des Backvorgangs immer schöne goldene Zuckerperlchen bildeten.

1998 dann sollte alles, was ich bisher über Käsekuchen wußte, auf den Kopf gestellt werden: Fernweh, Abenteuerlust, Karrierepläne und eine wunderbare Praktikumsmöglichkeit zogen mich über den großen Teich nach Boston. In das Land des Käsekuchens aus Frischkäse. Frischkäse? Hallo? “Käse = Käsebrot wie Wurstbrot wie Tomatenbrot” dachte ich damals und wurde nur zwei Wochen nach meinern Ankunft im Land der unbegrenzten Backmöglichkeiten unverhofft in einem Café unfern des Boston Common Parks von einem New York Cheesecake angelächelt. Ich lächelte zurück, wagte mich für schlappe zwei Dollar an das neue Käsekuchenabenteuer und schmolz dahin. Das schmeckte garantiert nicht nach Käsebrot mit Schnittlauch. Sondern schön frisch und auf der Zunge zergehend und der herrliche Boden wie ein Keks, nicht zu fest, nur gerade so stabil, daß er die Käsemasse tragen konnte. Ich habe seitdem nie wieder einen Käsekuchen auf Quark- oder Sahnebasis gemacht. Nur noch mit Philly, manchmal mit Himbeerragout gekrönt (was übrigens so eine Art Concealer für gerissenen Cheesecake sein kann) oder mit Schokoladenchips durchzogen. Auf zerstoßenen Oreo-Keksen gebacken oder auf Vollkornkeksen ruhend. Mit Pfirsischstücken gespickt oder Bananenscheiben belegt.

Gottseidank hat Frau Stewart für uns ein Rezept präsent für Cheesecakes im Miniaturformat: Raspberry Marble Cheesecake Cupcakes, die wirklich genau so wunderbar schmecken wie die große Schwester. Dieser Cupcake gehört wieder mal eher zur Sorte mächtig. Aber von nichts kommt bekanntlich nichts und wir möchten im Winter ja nicht erfrieren. Also Mädels (oder Jungs), haut rein!
Rezept (für ca. 24 Stück):
Für den Boden:
300g Vollkorn-Kekse (ich nehme immer Hobbits Kekse oder kernige Vollkorn-Butterkekse)
105g Butter (geschmolzen)
3 EL Zucker
Für das Himbeertopping:
400g TK-Himbeeren (oder frische, wenn vorhanden)
2 EL Zucker
Für die Käsemasse:
875g (ca. 5 Packungen) Frischkäse Doppelrahmstufe (Zimmertemperatur)
4 große Eier (Zimmertemperatur)
330g Zucker
eine Prise Salz
Vanillearoma

Zubereitung:
1.) TK-Himbeeren auftauen lassen. Dann durch ein Sieb pürieren. Aufgefangene Himbeermasse mit Zucker verrühren und beiseite stellen.
2.) Muffinform mit Papierbackförmchen auskleiden. Ofen auf 160 °C vorheizen.
3.) Vollkorn-Kekse zerstoßen (nicht allzu fein, kann ruhig leicht krümelig sein), mit Zucker mischen und die geschmolzene Butter einrühren. Je einen 3/4 EL von der Keksmasse in die Förmchen geben und mit der Rückseite eines Löffels andrücken (hier: Little H.’s höchst verantwortungsvoller Job).
4.) Keksmasse ca. 5 Minuten im Ofen vorbacken und wieder aus dem Ofen fischen.
5.) Frischkäse mit dem Handmixer gut verrühren. Eier nach und nach hinzugeben, dann den Zucker, Salz und das Vanillearoma. Käsemasse auf die Keksmasse im Förmchen geben, so daß die Förmchen ca. 3/4 gefüllt sind.

6.) Kleine Tröpfchen des Himbeermarks auf die Käsemasse klecksen (finden Kinder ebenfalls super, die Waschmittel herstellende Industrie somit auch) und nach Belieben mit einem Zahnstocker kreisförmig durch die Käsemasse fahren. Das macht Spaß und sieht toll aus, oder?
7.) So. Jetzt Butter bei die Fische. Es wird ernst. Im Ernst. Wenn man verhindern möchte, daß die Cheesecake Cupcakes so faltig und furchig werden wie eine Gletscherspalte des Großglockner oder wahlweise Frau Glas, sollte man die Muffinform in einem Wasserbad durch den Backofen jagen. Ich habe es getestet. Ein Blech ohne, eines mit Wasserbad gebacken und die Cupcakes aus dem Wasserbad sahen aus wie Frau Hunziker, die Nicht-Badenden dann doch eher wie Frau Glas. Geschmacklich ist das egal. Nur die Ästhetik betreffend einfach anders.
Also: Muffinform in eine Fettform oder ein tiefes Backblech stellen, das ca. bis zur Dreiviertel mit heißem Wasser befüllt ist.
8.) Ca. 22 Minuten lang backen, aus dem Ofen befreien und erst mal auskühlen lassen. Dann aus der Metallform holen und für mindestens 4 Stunden im Kühlschrank erkalten lassen, besser noch über Nacht.

Ich liebe es ja, zu backen. Oft und viel und gerne. Ihr wißt das mittlerweile. Ich schreibe auch wirklich gerne darüber und freue mich über Eure Kommentare. Aber wißt Ihr, was wirklich wirklich gruselig ist? Diesen Text um Mitternacht verfasst zu haben, die Cupcakes sind schon ratzefatze von Kindergartenmuttis, Tennismuttis, Mainzelmännchen und meines Mannes Arbeitskollegen verspeist worden. Ich werde also gleich vor einem gähnenden Kühlschrank stehen, der keine Cheesecake Cupcakes mehr beherbergt. Meinen knurrenden Cheesecake-Appetit wohl mit einer dicken Nutellastulle beschubsen müssen und heute nacht von damals träumen. Als ich in Boston meinen ersten New York Cheesecake essen durfte…
Ein wundervolles Wochenende Euch.
All the love in the universe,
Jeanny