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Da haben sie aber nicht schlecht gestaunt, meine Männer. Sonntagsfrühstück mit selbstgemachten Bagels. Oh la la. Und ich bin ganz schön stolz auf die kleine Bäckerin in mir, weil ich im Grunde ein riesen großer Hefe-Angstbunny bin. Oft sehe ich tolle Rezepte in Magazinen, Kochbüchern oder Blogs, und sobald ich an dem Textpunkt angelangt bin, an dem das Wort “H E F E” fällt, schleicht sich der Soundtrack aus “Der weiße Hai” in mein Ohr und zwar die Stelle, an denen der weiße Hai langsam von hinten an sein Opfer heranschwimmt und die Flosse aus dem Wasser ragt. Dim dim dim dim dim dim. Ihr wisst, was ich meine. Gefahr in Verzug.

Es ist ja nicht so, daß ich es nie probiert hätte mit der Hefe. Ich habe ihr schon einige Male Chancen auf Versöhnung eingeräumt und sie wollte den Teig einfach nie verdoppeln. Ich habe das dann einfach mal auf die hohe Luftfeuchtigkeit eines Neubaus geschoben und auf Längen-/Breitengrad sowie Stand des Mondes, jetzt hab ich den Dreh raus. Und das Grinsen in meinem Gesicht will nicht verschwinden. Ich habe dieses Mal einfach den vorbereiteten Teig in der Schüssel mit Frischhaltefolie luftdicht zugedeckt, darüber zwei Küchenhandtücher gelegt und das ganze dann auf unseren Fußbodenheizungs-beseelten Fußboden gestellt. Und zack ist er gewachsen. Jetzt aber ran an die Buletten. Was ich jetzt hier alles schönes zaubern werde. Nur noch Hefe, ich kaufe morgen noch mal eine Handvoll Hefewürfel, ich habe das Gefühl, einen guten Lauf zu haben und das muß ausgenutzt werden.

Also: Bagels. Der Traum meiner Morgen in Boston. Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit habe ich mir bei “Finagle a Bagle” am Boston Common einen dieser ursprünglich jüdischen Brotkringel gekauft. In den leckersten Varianten gab es die. Zwiebel-getrocknete Tomate, Triple Chocolate Chip, Honig-Vollkorn, Käse, Mohn, Sesam, mal mit Frischkäse, mal mit Marmelade. So was von lecker. Das besondere an den Doughnut-geformten Brotkreisen ist, daß sie vor dem Backen kurz in kochendem Wasser gekocht werden. Hier findet man ja ab und an im Brotsortiment der Supermärkte oder in Bäckereien Bagels zum Aufbacken, aber die sind etwas ganz anderes. Eher Brötchen mit Loch in der Mitte und so gar nicht bagelig. Wer nicht das Glück hat, in einer Stadt mit Bagelshops zu wohnen, muß also selber ran an Schürze und Herd. Ich habe meine Bagels nach einem Rezept von Leila Lindholm aus ihrem wundervollen – leider bisher nur auf englisch erschienenen – Buch One More Slice gebacken, habe hier und da kleinere Änderungen vorgenommen, aber seht selbst:

Zutaten (für 12 Bagels):

25g frische Hefe

500ml laufwarmes Wasser

1 EL Salz

2 EL flüssiger klarer Honig

1 El Zucker

850g backstarkes Mehl (bspw. Typ 550)

Zubereitung:

1.) Hefe in einer Rührschüssel mit Wasser, Salz und Honig auflösen. Nach und nach Mehl hinzufügen und ca. 5 Minuten lang mit den Knethaken mixen.

2.) Teig für ca. 50 Minuten gut abgedeckt (Frischhaltefolie, darüber zwei Küchenhandtücher) an einem warmen Ort verdoppeln lassen.

3.) Teig auf eine bemehlte Unterlage geben, kurz durchkneten und in 12 Stücke teilen. Jedes dieser Teigstücke dann zu einem Ball formen, mit dem Finger ein Loch hineinstechen (oder mit einem ganz kleinen runden Ausstecher, hab ich aber nicht) und wie ein Hula Hoop Reifen ein paar Runden um den Finger kreisen lassen. Dann auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und die Ringe unter einem Küchenhandtuch erneut 45 Minuten lang gehen lassen.

4.) Ofen auf 200°C Ober- und Unterhitze erhitzen.

5.) Einen großen Topf mit Wasser mit ca. 1 EL Zucker zum Kochen bringen. Dann die Temperatur so weit runterschalten, daß das Wasser gerade noch so brodelt und vorsichtig am besten mit einem flachen Pfannenwender einen (keine zwei gleichzeitig) Bagel nach dem anderen ins Wasser geben und für 1-2 Minuten erhitzen. Dabei nach der Hälfte der Zeit einmal umdrehen. Kurz abtropfen lassen und wieder auf das Blech legen. Die Bagels sehen nun ein bisschen schrumpelig aus, aber keine Bange. Die werden beim Backen noch hübsch.

6.) Jetzt könnt Ihr die Bagels nach Herzenslust mit Mohn, Sesam, Rosmarin, Meersalz, Schokotröpfchen, Rosinen, Blaubeeren o.ä. belegen. Dafür am besten erst etwas Eiweiß auf den Bagel streichen und dann verzieren. Bei den Rosmarinbagels habe ich noch etwas Olivenöl drüber geträufelt und mit Fleur de Sel beschneit, aber nicht zu viel, sonst wird es speckig.

7.) Die Bagels ca. 22 Minuten lang backen.

Ganz frisch und warm aus dem Ofen gleich das erste verspeist. Das ist echtes Seelennahrungs-Frühstück. Dazu schmeckt Philadelphia Käse (hier gerne mit getrockneten Tomaten gemischt), Marmelade, Nutella, Schinken, ich würde sagen: eigentlich alles. Hach was bin ich froh. War einfacher als gedacht und noch viel leckerer, als in meinen Träumen ausgemalt. Gibt’s jetzt öfter, Männer. Versprochen.

Viel Spaß beim Nachbacken und Euch einen schönen Start in die Woche,

all the love in the universe,

Jeanny

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